Juli 2010

Bilingualität in der KiTa

In Europa ist Mehrsprachigkeit gefragt, Sprache ist Teil der kulturellen Vielfalt. So empfiehlt der Europarat den BürgerInnen Europas, drei Sprachen sprechen zu können. Diese Aussage mag bei manchen LeserInnen Erinnerungen an erste Konfrontationen mit einer Fremdsprache in der 5. Klasse hervorrufen, an unliebsames Vokabeln und Grammatik pauken. Das bleibt SchülerInnen auch heute nicht ganz erspart, aber in Sachen Fremdsprachenerwerb hat sich einiges getan: Er beginnt nämlich mittlerweile viel früher und das aus guten Gründen.

Fremdsprachenerwerb so früh wie möglich fördern
Es gibt die Erkenntnis, dass Kinder eine Fremdsprache weitaus leichter lernen, je früher sie damit beginnen. Die Voraussetzungen sind ausgesprochen günstig, kleine Kinder sind neugierig, kommunikationsbereit und imitieren gerne. Aufgrund dieser Tatsachen und um dem Anspruch der Mehrsprachigkeit Rechnung zu tragen, hat sich der Fokus immer mehr in Richtung frühen Fremdsprachenerwerb verschoben. Seit einigen Jahren lernen Grundschulkinder daher in vielen deutschen Bundesländern ab der dritten Klasse Englisch, in wenigen ab der ersten Klasse. Kritik zur „foreign language“ in der Primarstufe gibt es aber auch, hauptsächlich dahingehend, dass viele LehrerInnen noch nicht richtig für die Vermittlung einer Fremdsprache an Kinder im Grundschulalter ausgebildet sind. Die Didaktik unterscheidet sich massiv von der, mit der LehrerInnen Kinder an weiterführenden Schulen unterrichten. Kleinere Kinder lernen eine neue Sprache am besten spielerisch, Lesen und Schreiben der Fremdsprache sollen auch bei GrundschülerInnen nicht im Vordergrund stehen. Stattdessen soll der frühe Fremdsprachenunterricht Interesse am Sprachenlernen wecken und den Blick für fremde Kulturen öffnen.

Was lernen Studierende, die speziell für den Fremdsprachenerwerb im frühen Kindesalter ausgebildet werden?
Prof. Dr. Marita Schocker-von Ditfurth von der Pädagogischen Hochschule Freiburg ist Leiterin des Fern-/Kontaktstudiengangs „E-Lingo Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens“, einem Kooperationsprojekt zwischen den Pädagogischen Hochschulen Freiburg und Heidelberg und der Justus-Liebig-Universität Gießen im Auftrag der Landesstiftung Baden-Württemberg. Wie der Name verrät, bildet der Studiengang für die Vermittlung von Fremdsprachen speziell im Kindergarten- und Grundschulalter aus und schließt somit eine Lücke. Im Interview erklärt die Projektleiterin, was den Studiengang inhaltlich auszeichnet und wie die AbsolventInnen Kinder didaktisch an die Fremdsprache heranführen.

Wie sieht der bilinguale Alltag in einer KiTa aus?
Eigentlich könnte der Fremdsprachenerwerb doch flächendeckend noch früher beginnen, also schon im Kindergartenalter und nicht erst in der Grundschule. Von den Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland ist bisher aber nur ein verschwindend geringer Anteil mehrsprachig ausgerichtet, nämlich ca. 680. „Frühpädagogik studieren!“ hat eine dieser Einrichtungen, die englische Kay International Pre-School in Bonn, besucht und ihren Alltag einen Vormittag lang begleitet. Über die Vorteile der bilingualen Bildung, Erziehung und Betreuung von 3 bis 6-Jährigen haben wir mit Dr. Helga Kay, Leiterin und Mitbegründerin der Pre-School, gesprochen und Einblicke darin erhalten, wie die Kinder vor Ort konkret Englisch lernen. Nachzulesen gibt es das alles in einer Reportage.

Literatur:

Legutke, Michael/Müller-Hartmann, Andreas/Schocker-v. Ditfurth, Marita (2009): Teaching English in the Primary School. Stuttgart: Klett Verlag (Reihe: Uni Wissen)

Bunse, Sabine/Hoffschildt, Christiane (2008): Sprachentwicklung und Sprachförderung im Elementarbereich. München: Olzog Verlag

Internetquellen:

Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen e.V. (2009): Bilinguale Kitas in Bundesländern. http://www.fmks-online.de/download.html (Stand: 23.06.2010)

Goethe-Institut: Nürnberger Empfehlungen zum "Frühen Fremdsprachenlernen"
http://www.goethe.de/lhr/prj/nef/deindex.htm (Stand 23.06.2010)